alte Dame
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Tick… tack… tick… tack…
6. Januar 2017

Herr Nilsson

Seit meiner Kindheit hatte ich den Traum, einmal einen Oldtimer zu fahren besitzen wenn ich mal groß bin. So habe ich über Jahre hinweg bewusst alte Autos angesehen und mich auch entsprechend ein wenig dafür interessiert. Wie sich Autos über Jahrzehnte hinweg optisch verändern finde ich unglaublich interessant. Eines Tages bin ich dann durch Zufall auf ein Model gestoßen in das ich mich Hals über Kopf verguckt habe. Ein Ford Taunus 17M P3, der zwischen 1960 und 1964 produziert wurde. Die klare Linienführung der Karosserie, die unglaublich unverkennbare Optik der Front, der supersüße Popi mit den runden Becherbremslichtern. Wirklich eine sehr eigene Optik. So bekam der sehr schwammige Kindertraum plötzlich ein hochauflösendes, präzisiere definiertes Profil! Und nachdem meine folgenden, intensiveren Recherchen ergeben haben, dass man dieses Auto auf dem Markt in einem relativ guten Zustand für einen noch erschwinglichen Preis ergattern kann, wurde mein Ziel plötzlich greifbar. Von dem Moment an vergingen bis heute dann ca. 4-5 Jahre, in denen ich mich in Online-Foren umhergetrieben habe, technische Datenblätter ausfindig und gedownloadet hab, Werkstattbücher und sämtliche andere Lektüre über dieses Auto bei Ebay ersteigert habe. Dabei bin ich Netz dann auch auf original Werbung für den 17 M gestoßen.
Gestaltet hat das Auto ein gewisser Uwe Bahnsen. Folgendes steht bei Wikipedia über ihn geschrieben:
Uwe Bahnsen (* 1930 in Hamburg; † 30. Juli 2013 in Frankreich) war ein deutscher Automobil-Designer. Nach einer Lehre als Schaufensterdekorateur studierte Bahnsen an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Von 1958 bis 1986 war er bei Ford Europe in verschiedenen Positionen tätig, zuletzt als Vizepräsident für Design. In dieser Zeit realisierte er verschiedene Automobildesigns wie die des Taunus 17M (der „Badewanne“) oder des Capri II. Daneben organisierte der rennbegeisterte Bahnsen in den 1960er-Jahren eine Ford-Werksmannschaft. 1986 wechselte Bahnsen als Ausbildungsdirektor an das private Art Center College of Design in La Tour de Peilz (Schweiz), das er zwischen 1990 und 1995 leitete. 1992 wurde er in das Executive Board des International Council of Societies of Industrial Design (ICSID) gewählt und war von 1995 bis 1997 dessen Präsident. Bahnsen war Fellow der Royal Society of Arts, Fellow der Chartered Society of Designers und International Member der Industrial Designers Society of America (IDSA).
Was für ein Werdegang, vom Schaufensterdekorateur zum renommierten Automobildesigner, der insgesamt 11 Modellen seine Handschrift verliehen hat! Weiter habe ich die aktuellsten Gebrauchtwagen-Apps auf meinem Handy installiert und wurde fortan via Pushbenachrichtigung informiert, sobald ein neuer 17M zum Verkauf ins Netz gestellt wurde (werde ich auch immer noch informiert, brauch aber natürlich nicht noch einen... aber gugga muuuusch). Es gibt das Auto in 3 Ausführungen und es wurde in etlichen Farbkombinationen in den Markt gespült. Zum großen Teil sind sogar Dach und Rumpf farblich unterschiedlich. So war die Wahrscheinlichkeit, dass also ein inzwischen seltener 17M P3 in einer Farbe oder Farbkombination auf den Gebrauchtwarenmarkt kommt, die mir gefällt und der Wagen dann noch entsprechend gut da steht, war entsprechend gering. Ich habe natürlich über die ganze Zeit gehofft, dass ich irgendwann die eine Pushmeldung erhalte, hinter der sich mein zukünftiger, eigener 17M P3 versteckt. Und so kam es tatsächlich.... zufälliger weise stand er gerade mal eine halbe Stunde Fahrtweg entfernt weg. Ein total abgefuckter Überzufall quasi... Den musste ich mir natürlich unbedingt ansehen. Da ich aber eigentlich geplant hatte erst in 2-3 Jahren evtl. einen 17M zu kaufen, habe ich mich versucht zu beherrschen und bin mit der Überzeugung dort hingefahren, das Auto auf keinen Fall zu kaufen. So bin ich an einem Sonntag nachmittag auf die Schwäbische Alb in ein Dorf gefahren, in dem ein sehr netter und sympathischer Kerle Namens Holger, gleich 3 alte Fords in seiner Bauernscheune stehen hatte. Unter anderem den 17M. Es war übrigens das erste mal, dass ich einen 17M in echt gesehen habe und es hat mich schier umgehauen vor Begeisterung. Zum anfassen stand er plötzlich vor mir. Und die Farbe whuaaaaaaaaat!!! Und das in einem so guten Zustand, das mir wirklich schlecht wurde..! Wie konnte das sein kann, dass zu diesem wirklich beschissensten Zeitpunkt (Hausrenovierung kurz vor Abschluss, Winter naht, kurz vor Umzug, sowieso kein Geld für irgendwas) mir sich plötzlich so eine Option ergibt?!
Und so kam alles ganz schnell vom einen zum anderen. Holger spürte meine Begeisterung und fand es auch ganz knorke, dass ich direkt ums Eck wohne. So hatte er den perfekten Käufer gefunden und ich weiß und hab den großen Vorteil, dass ich im Notfall mit dem Auto auch mal wieder bei Ihm vorbei schauen darf. Jetzt steht er inzwischen beim mir. Bereits im Studio. Wahrscheinlich das einzige im Studio das schon da steht wo es hingehört. Alles andere folgt wahrscheinlich übers Jahr 2017. Hinter der Sonnenblende, auf Fahrerseite ist übrigens der erster Besitzer des Wagens angebracht. "Herr Nilsson" aus Schweden. Den Namen habe ich natürlich sofort direkt und gerne übernommen. Herr Nilsson wurde übrigens 1964 in Schweden angemeldet, von Herrn Nilsson. Und es stand über längere Zeit in einem Wohnzimmer. Da war scheinbar schon vor mir jemand so närrisch auf den 17 M. Und das erklärt auch den wirklich guten Zustand des Autos.

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